Metallverarbeitung
Härtetechnik

Qualitätssicherungsvereinbarung Wärmebehandlung

Inhalt

1. Allgemeine Vereinbarungen

1.1 Geltungsbereich

1.2 Qualitätsmanagement-System des Auftragnehmers

1.3 Qualitätsmanagement-System des Unter-Auftragnehmers

1.4 Audit

1.5 Informationen und Dokumentationen

2. Vereinbarungen zum Prozess

2.1 Angaben zum Wärmebehandlungsauftrag durch den Auftraggeber

2.2 Anlieferung beim Auftragnehmer

2.3 Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit

2.4 Maßnahmen bei Qualitätsabweichungen

2.5 Fähigkeitsnachweise

2.6 Übergabe, Anlieferung, Wareneingangsprüfung beim Auftraggeber

2.7 Beanstandungen durch den Auftraggeber

2.8 Qualitätsziele

3. Salvatorische Klausel, anwendbares Recht, Gerichtsstand, Gültigkeit


Qualitätssicherungsvereinbarung

zwischen

 

………………………………………………………………………………………………….……..

- nachfolgend "Auftraggeber" genannt –

 

und

 

Josten & Bock GmbH, Röntgenstraße 28, 57439 Attendorn

……………………………………………………………………………………………....……….

- nachfolgend "Auftragnehmer" genannt -

 

1. Allgemeine Vereinbarungen

 

1.1 Geltungsbereich

Diese Vereinbarung ist Grundlage für alle Dienstleistungen, die der Auftragnehmer für den

Auftraggeber durchführt (Lohnveredlung). Die gewünschte Wärmebehandlung wird nach

Auftragserteilung als Dienstleistung mit der erforderlichen Sorgfalt und geeigneten Mitteln

durchgeführt. Eine Gewähr für den Erfolg der Wärmebehandlung wird nicht gegeben.

 

1.2 Qualitätsmanagement-System des Auftragnehmers

Der Auftragnehmer verpflichtet sich zur Einrichtung, Durchführung und Pflege eines

zertifizierten Qualitätsmanagementsystems. Der Auftragnehmer erbringt den Nachweis über

die Einhaltung des Standards, indem er auf Verlangen des Auftraggebers entsprechende

Zertifikate vorlegt.

 

1.3 Qualitätsmanagement-System des Unter-Auftragnehmers

Kommen Unter-Auftragnehmer (z. B. Lohnveredler, Prüflabore) zum Einsatz, so unternimmt

der Auftragnehmer alles Zumutbare um sicherzustellen, dass seine Unter-Auftragnehmer

dasselbe Qualitätsmanagement-System aufbauen und unterhalten wie er gem. Ziff. 1.2

dieser QSV selbst einzurichten, durchzuführen und zu pflegen hat. Im Falle der Beauftragung

von Prüflaboren ist der Nachweis durch deren Akkreditierung erbracht.

Der Auftraggeber kann vom Auftragnehmer einen dokumentierten Nachweis verlangen, dass

der Auftragnehmer sich von der Wirksamkeit des Qualitätsmanagement-Systems bei seinen

Unter-Auftragnehmern überzeugt hat.

 

1.4 Audit

Der Auftragnehmer gestattet dem Auftraggeber die Möglichkeit, durch Audits festzustellen,

ob die Qualitätssicherungsmaßnahmen des Auftragnehmers die Forderungen des

Auftraggebers sowie die Pflichten des Auftragnehmers aus dieser QSV erfüllen. Ein Audit

kann als System-, Prozess- oder Produktaudit durchgeführt werden und wird rechtzeitig mit

dem Auftragnehmer vereinbart.

Der Auftragnehmer gewährt dem Auftraggeber nach Vereinbarung Zutritt zu den jeweils

wichtigen Betriebsstätten, Prüfstellen, Lagern und angrenzenden Bereichen sowie Einsicht in

qualitätsrelevante Dokumente. Dabei werden angemessene Einschränkungen des

Auftragnehmers zur Sicherung seiner betrieblichen Interessen und seiner

Betriebsgeheimnisse akzeptiert.

Der Auftraggeber teilt dem Auftragnehmer das Ergebnis dieser Audits mit. Sind aus Sicht

beider Vertragspartner Korrekturmaßnahmen erforderlich, verpflichtet sich der

Auftragnehmer, zeitnah einen entsprechenden Maßnahmenplan zu erstellen, diesen

umzusetzen und den Auftraggeber über den Maßnahmenplan und dessen Umsetzung

jeweils schriftlich zu unterrichten.

 

1.5 Informationen und Dokumentationen

Wird erkennbar, dass getroffene Vereinbarungen wie z.B. Qualitätsmerkmale, Termine,

Liefermengen nicht eingehalten werden können, informieren sich die Vertragspartner

hierüber gegenseitig unverzüglich. Der Auftragnehmer wird den Auftraggeber auch über

nach Auslieferung erkannte Abweichungen unverzüglich in Kenntnis setzen.

Auftragnehmer und Auftraggeber verpflichten sich, vor

- wärmebehandlungsrelevanten Änderungen am Produkt und/oder in der Prozesskette,

- Änderungen von Fertigungsverfahren/-materialien (auch bei Unter-Auftragnehmern),

die Zustimmung des Auftraggebers bzw. der Auftragnehmers einzuholen und die in diesem

Zusammenhang vereinbarten Qualitätsnachweise zu erbringen.

Der Auftraggeber verpflichtet sich, dem Auftragnehmer kundenbezogene bzw. eigene

- (Werks-)Normen,

- Zeichnungen

- und Dokumente

in der jeweils gültigen Fassung zur Verfügung zu stellen.

Der Auftragnehmer verpflichtet sich, vor

- einem Wechsel von Unter-Auftragnehmern (sofern vereinbart),

- Änderung von Prüfverfahren,

- Verlagerung von Fertigungsstandorten

die Zustimmung des Auftraggebers einzuholen und die in diesem Zusammenhang

vereinbarten Qualitätsnachweise zu erbringen.

Vorgenannte Änderungen, insbesondere der Wechsel von Unter-Auftragsnehmern, kann der

Auftraggeber nur ablehnen, wenn er ein berechtigtes Interesse darlegen kann. Ein solches

liegt vor, wenn dem Auftraggeber Nachteile drohen.

Sämtliche vorstehenden, zustimmungsbedürftigen Maßnahmen werden vom Auftragnehmer

dokumentiert und dem Auftraggeber unaufgefordert und unverzüglich vorgelegt.

Der Auftragnehmer regelt die Lenkung aller Dokumente und Daten, in Weisungen und setzt

diese wirksam um. Dokumente externer Herkunft wie Normen und Kundenzeichnungen

unterliegen in angemessenem Umfang einer Geheimhaltung.

Die Pflicht zur Aufbewahrung der Dokumente mit besonderer Archivierungspflicht beträgt 10

Jahre; sie kann bei einem besonderen Interesse des Auftraggebers durch gesonderte

Vereinbarung auf bis zu 15 Jahre ausgedehnt werden. Eine elektronische Archivierung ist

möglich.

 

2. Vereinbarungen zum Prozess

Der Erfolg einer Wärmebehandlung hängt von zahlreichen Faktoren ab, die z.T. im Einfluss-

und Verantwortungsbereich des Auftragsgebers liegen. Das Ergebnis der Wärmebehandlung

kann durch diese Faktoren negativ beeinflusst werden. Maß- und Formänderungen sind bei

einer Wärmebehandlung nicht zu vermeiden.

 

2.1 Angaben zum Wärmebehandlungsauftrag durch den Auftraggeber

Die vom Auftraggeber zur Verfügung gestellten Angaben müssen in der Form ausreichend

sein, dass vom Auftragnehmer eine Vertragsprüfung und eine Machbarkeitsanalyse

durchgeführt werden kann. Detaillierte Angaben zum Anlieferungszustand sind den

Allgemeinen Liefer- und Zahlungsbedingungen des Auftragnehmers zu entnehmen oder im

Einzelfall mit dem Auftragnehmer schriftlich abzustimmen.

 

 

2.2 Anlieferung beim Auftragnehmer

Die vom Auftraggeber angelieferten bzw. übergebenen Teile/Produkte müssen in geeigneten

Verpackungen/Transportmitteln zur Verfügung gestellt werden, die den gesetzlichen

Vorschriften entsprechen und einen qualitätsmindernden Einfluss auf die Bauteile

ausschließen. Auswahl und Zustand der Verpackungen/Transportmittel obliegen dem

Auftraggeber. Für den Prozess optimale Behälter sind der Anlage 2 zu entnehmen.

Teile, die mit einem Chlorhaltigem Öl gestanzt werden müssen sauber beim Auftragnehmer angeliefert werden. Dieses Öl kann in der Entfettungsanlage nicht entfernt werden und verursacht Schäden an den Wärmebehandlungsanlagen. Bei erstmaliger Anlieferung benötigt der Auftragnehmer aus diesem Grunde ein Sicherheitsdatenblatt des Stanzöles.

 

2.3 Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit

Der Auftragnehmer wird die Kennzeichnung der Lieferlose/Chargen und geeignete

Maßnahmen zur Rückverfolgbarkeit entsprechend den mit dem Auftraggeber getroffenen

Vereinbarungen vornehmen. Er muss sicherstellen, dass die Kennzeichnung der Lieferlose

auch während des Transports und der Lagerung lesbar ist.

Ziel ist es, im Falle eines festgestellten Fehlers die Eingrenzung der schadhaften

Lieferlose/Chargen zu ermöglichen.

 

2.4 Maßnahmen bei Qualitätsabweichungen

Bei Qualitätsabweichungen wird der Auftragnehmer unverzüglich Maßnahmen treffen, um

diese Qualitätsabweichungen zu analysieren und wenn die Ursache im Prozess des

Auftragnehmers liegt, zu beseitigen. Eingeleitete Korrekturmaßnahmen werden auf ihre

Wirksamkeit überprüft.

Kann der Auftragnehmer keine spezifikationsgemäßen Produkte liefern, muss er vor

Lieferung eine Sonderfreigabe vom Auftraggeber einholen.

 

2.5 Fähigkeitsnachweise

Die durch die Wärmebehandlung veränderte bzw. erzeugte Eigenschaft (z.B. Härte,

Härtetiefe) ist keine geometrische Größe, sondern eine physikalische Eigenschaft. Die

Ermittlung dieser Eigenschaft ist mit der Prüfung einer geometrischen Größe nicht

vergleichbar. Aus diesem Grund können nicht die gleichen Verfahren zur Ermittlung der

Prüfmittelfähigkeit oder der Prüfprozesseignung einer Härteprüfmaschine angewendet

werden. Es existiert keine öffentlich zugängliche Richtlinie oder Norm für die Durchführung

der Prüfmittelfähigkeit oder der Prüfprozesseignung von Härteprüfmaschinen. Das Gleiche

gilt für Maschinenfähigkeiten von Wärmebehandlungsanlagen. Siehe hierzu auch Anlage 1.

 

2.6 Übergabe, Anlieferung, Wareneingangsprüfung beim Auftraggeber

Der Auftragnehmer liefert die Teile/Produkte in der Regel in den kundenseitig beigestellten

Verpackungen/Transportmitteln, unter Berücksichtigung der mit dem Auftraggeber

vereinbarten Verpackungsvorgaben.

Der Auftraggeber führt eine Wareneingangsprüfung durch und meldet qualitätsrelevante

Abweichungen sowie andere Mängel unverzüglich an den Auftragnehmer. Im Übrigen gilt

§ 377 HGB.

 

2.7 Beanstandungen durch den Auftraggeber

Beanstandungen durch den Auftraggeber haben schriftlich oder mittels elektronischer

Nachricht zu erfolgen. Im Falle einer Beanstandung durch den Auftraggeber erhält der

Auftragnehmer beanstandete Teile nebst Auftragszuordnung in einem Umfang zurück, um

sich von Art u. Umfang des Mangels zu überzeugen. Er verpflichtet sich, Abweichungen zu

analysieren und zeitnah dem Auftraggeber das Ergebnis der Analyse mitzuteilen.

Der Auftragnehmer gewährt dem Auftraggeber bei berechtigtem Mangel auf Anforderung

konkretisierte auftragsbezogene Einsicht in die Aufzeichnungen des bemängelten Auftrags,

unter Berücksichtigung der in 1.4 genannten „angemessenen Einschränkung zur Sicherung

der betrieblichen Interessen des Auftragnehmers“.

 

2.8 Qualitätsziele

Der Auftragnehmer strebt das Null-Fehler-Prinzip an, allerdings lassen sich z. B. bei der

Bearbeitung von Massenschüttgut Schlagstellen, Fremdteile sowie Schwund nicht vollständig

vermeiden.

Der Schwerpunkt zur Erreichung der Qualitätsziele liegt hierbei auf der Fehlervermeidung,

nicht auf der Fehlererkennung.

Die Unterschreitung etwaig vereinbarter Obergrenzen für Fehler entbindet den

Auftragnehmer nicht von seiner Verpflichtung zur Weiterführung der kontinuierlichen

Verbesserung.

 

3. Salvatorische Klausel, anwendbares Recht, Gerichtsstand, Gültigkeit

Sollten sich einzelne Bestimmungen dieses Vertrages ganz oder teilweise als unwirksam oder

undurchführbar erweisen oder infolge Änderungen der Gesetzgebung nach

Vertragsabschluss unwirksam oder undurchführbar werden, bleiben die übrigen

Vertragsbestimmungen und die Wirksamkeit des Vertrages im Ganzen hiervon unberührt.

Die Einkaufsbedingungen als auch etwaig andere in der Vergangenheit oder zukünftig zur

Kenntnis gebrachten oder geltend gemachten allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB)

beider Seiten gelten - hinsichtlich des hier geregelten Anwendungsbereichs - grundsätzlich

nicht, solange diese QSV Gültigkeit hat.

Die Unterzeichner sind sich einig, dass allen Verträgen deutsches Recht zugrunde liegt und

bei Vertragsverletzung Anwendung findet. Gerichtsstand ist Sitz des Auftragnehmers.

Die QSV gilt unbefristet. Sie kann von jedem der Vertragsparteien schriftlich mit Frist von

drei Monaten zum Monatsende gekündigt werden. Die Parteien sind sich darüber einig, dass

die gekündigte QSV erst nach der vollständigen Abwicklung der Aufträge, die im Zeitpunkt

der Kündigung der QSV erteilt sind, endet.

 

Auftragnehmer

 

…………………………………………               ……………………………………………………………

Ort, Datum     Firmenstempel + Unterschrift

(Vertretungsberechtigter)      

 

Auftraggeber

 

 

…………………………………………               ……………………………………………………………

Ort, Datum     Firmenstempel + Unterschrift

(Vertretungsberechtigter)

 

 

Anlage 1 zur QSV Wärmebehandlung

Ergänzende Hinweise zur Prozessfähigkeit

Im Rahmen der Wärmebehandlung können Prozessfähigkeiten nicht mit den sonst üblichen

Maßstäben gewertet werden. Fähigkeitsforderungen sind den systemtheoretischen

Betrachtungen und Messvorgängen einfacher physikalischer Größen, z.B. Maße, Gewichte

etc. entnommen und werden meist auf Wärmebehandlungsprozesse sinngemäß und

undifferenziert übernommen.

Die Wärmebehandlung ist jedoch ein sehr komplexer fertigungstechnischer Ablauf, bei dem

das Ergebnis des zu garantierenden Prozesses nicht ausschließlich durch die

Wärmebehandlung bestimmt wird. Metallurgische Analysenschwankungen der in den

Normen definierten Legierungselemente, Analysenschwankungen der Legierungselemente,

die in den Normen nicht festgelegt sind, jedoch nach DIN EN 10020 dennoch zulässig sind,

Verteilung und Ausbildung der Gefügephasen im Ausgangszustand, Umformungsgrad,

Vorwärmebehandlungen etc. sind einige Einflussgrößen, die sich auf das Ergebnis der

Wärmebehandlung auswirken können.

Zusätzlich und erschwerend kommt hinzu, dass die Prüfungen mit Härteprüfgeräten

erfolgen, deren normzulässige Streuungen die Anwendung von klassischen cpk-Bewertungen

nahezu unmöglich machen.

Pauschalen Fähigkeitsforderungen aus Kundenvorgaben kann bei wärmebehandelten

Bauteilen im Vorfeld widersprochen werden. Wenn überhaupt sinnvoll machbar, dann muss

die Prozessfähigkeit für den Einzelfall merkmalsbezogen mit dem Kunden abgestimmt

werden.

Im Rahmen der Wärme- und Oberflächenbehandlung ergeben sich zudem weitere

Einwirkungen auf die Prozessfähigkeitsindizes, die der Auftragnehmer nicht beeinflussen

kann, z.B.:

- Vorbehandlungen beim Kunden, welche beispielsweise direkten Einfluss auf die Festigkeit

der Bauteile nehmen (z.B. Stanzen, Drehen, Walzen, Ziehen). Weiterhin können

Waschmittel, Stanzöle und ähnliche Produkte zu Beeinträchtigungen bei der Wärme- und

Oberflächenbehandlung führen (z.B. Sperrschichten beim Gasnitrieren).

- Konstruktive Einflüsse des Bauteiles

Es lassen sich durch die oben genannten Einflüsse keine pauschalen Grenzen von Cpk > 1,33

oder Ppk > 1,67 für alle beliebigen Merkmale festlegen.

 

Anlage 2 zur QSV-Wärmebehandlung

Behälter sollten sauber sein. Es sollten keine offenen Kanten in den Behältern sein, in denen sich Teile festsetzen könnten (Vermischungsgefahr)!

behaeltergroessen

 

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